Die Geschichte der Adelaider Liedertafel 1858

Es war im Jahre 1836, dem Geburtsjahr von Südaustralien (SA) als  unter 151 Passagieren der "Buffalo" Governor Hindmarsh in Glenelg (damals Holdfast Bay genannt) an Land ging und die Kolonie der Britischen Krone unterstellte. Südaustralien war wie auch heute noch die einzige Britische Kolonie in Australien, die mit freien Einwanderern bevölkert wurde. Zu keiner Zeit wurden  Strafgefangene  nach Südaustralien deportiert.

Die ersten Deutschen wanderten 1838 nach Australien ein um der wirtschaftlichen Notlage, sowie der politisch und religiösen Verfolgung ihres Heimatlandes zu entfliehen. Die Deutschen Einwanderer waren die Ersten die sich in dieser Gemeinde behaupteten und anerkannt wurden. Einige dieser  Deutschen übersiedelten später in andere Kolonien (nun Staaten) um ihr Glück zu suchen.

Bis 1850 bildeten sich einige kleinere Gesangsgruppen in Adelaide. Unter ihnen gab es eine kleine Gruppe die von Otto Rüdiger dirigiert wurde. Mitglieder dieser Gruppe  gründeten gemeinsam mit einigen neu dazugekommenen Sängern  unter der Leitung des Dirigenten Carl Linger in 1850/51 eine "Liedertafel", die sich "Die Adelaider Liedertafel" nannte. Die Proben wurden im "Wiener-Fischer's Cafe" in der Rundle Street bis zur Schliessung des Cafe’s in 1855 abgehalten.  

Während dieser Zeit hatte Carl Linger auch einen anderen Chor im Deutschen Klub im Hotel Europe an der Ecke von "Grenfell Street und Gawler Place" dirigiert. Dieser Chor vereinigte sich 1855 mit der Adelaider Liedertafel.

 In 1848/49 entstand ein weiterer Chor, die Deutsche Liedertafel, gegründet  in einem anderen Deutschen Klub im Hotel  Hamburg durch die Initiative von A.F. Cranz. Bei dem ersten Konzert im April 1850 hatte die Deutsche Liedertafel 31 Mitglieder.  

Dieser Chor, die Tanunda Liedertafel, wurde in 1861 gegründet und hat auch jetzt noch eine grosse Gefolgschaft. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde die Liedertafel Arion in Melbourne Victoria gegründet. Rund um diese Zeit enstanden auch in Queensland und Neusüdwales einige Deutsche Chöre die aber leider den Verlauf der Zeit nicht überstanden - hauptsächlich verursacht durch die beiden Weltkriege.

 Carl Linger dirigierte die Adelaider Liedertafel bis zu seinem Tode in 1862.Er hatte in seiner Heimatstadt Berlin zunächst Musik studiert und später zahlreiche Werke komponiert. Dazu gehören zwei Opern, verschiedene Symphonien, Kantaten und andere Orchester Werke. In 1849 emigrierte Linger nach Südaustralien wo er Musikunterricht gab und verschiedenen Chöre dirigierte. Carl Linger war auch als Mitgründer des Adelaide Symphony Orchestra  anerkannt. 1859 gewann er den Nationalen Preis für patriotische Lieder mit seinem “Song of Australia”. Es wird bis heute noch bei öffentlichen Veranstaltungen gesungen, besonders in Südaustralien.

Carl Linger verstarb im Alter von 52 Jahren am 16. Februar 1862. Am Tage seiner Beerdingung schlossen alle Geschäftsleute Ihre Unternehmen - so sehr war er in der Community respektiert. Seine Adelaider Liedertafel und die Brunswick Brass Band  führten den Trauerzug durch die Strassen von Adelaide zum West Terrace Friedhof wo einige seiner Compositionen  an seiner Grabstätte aufgeführt wurden. Seitdem wird jedes Jahr am “Australia Day”, dem 26. Januar  eine Gedenkfeier an seinem Grabmal abgehalten. An der Gedenkfeier nehmen Mitglieder des Bundesstaatlichen und Staatlichen Parlaments teil, sowie Vertreter aus verschiedenen Gruppen, patriotischen Vereinigungen und natürlich seine Adelaider Liedertafel.

In ihren Anfängen sang die Adelaider Liedertafel auf vielen Konzerten Lieder in der Deutschen Sprache.  

1863

Am 29. Oktober 1878 sang der Chor erstmalig aus Anlass des 20.Jubiläums im Adelaider Rathaus auch Lieder in der englischen Sprache. Dass daraufhin dann mehrere australische Chöre entstanden  von denen heute noch zwei bestehen, schreibt man dem Erfolg dieses Konzertes zu.

 Das 25. Jubiläumskonzert am 10. Oktober 1883  unter der Schirmherrschaft  seiner Excellence dem Gouverneur von Südaustralien, Sir W.L.F. Robinson und dem Dirigenten C. Püttmann war ein grosser Erfolg und ein bedeutsames Gesellschaftsereignis für Adelaide.

bulletSeine Excellence, der Gouverneur of SA, Sir G. le Hunte und Lady le Hunte
bulletDer Kanzler der Universität, Sir Samuel J. Way und Lady Way
bulletDer Vize Kanzler der Universität, Dr und Frau Barlow
bulletDer Kaiserliche  Deutsche Konsul, Herr H.C.E. Mücke

Gast Chöre:

bulletAdelaide Orpheus Society bullet Adelaide Choral SocietyAdelaide Bach Society bulletPort Adelaide Orpheus Society bulletAdelaide Glee Club   bulletDer Broken Hill Quartette Club -  sowie ein vollständiges Orchester.  

Die Adelaider Liedertafel wurde in 1910 Mitglied der Deutschen Sängervereinigung. Die Vereinigung wurde allerdings wegen des ersten Weltkrieges geschlossen und  in 1979 fortgesetzt..

Der Dirigent Hermann Heinicke, der die Liedertafel von 1891 an leitete arrangierte die Zzusammenführung von kleineren Deutschen Chören mit der Liedertafel und ein grosser Teil der allgemeinen Anerkennung des Chores ist  ihm zu verdanken. Er trat Anfang 1914  zurück. Seine Position wurde von Herrn F. Ochernal übernommen. Die letzte Eintragung in die Akte der Adelaider Liedertafel vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde am 17. Juni 1914 gemacht.

Durch den  Ausbruch des  ersten Weltkrieges wurden viele Mitglieder des ansonsten so popularen Chores interniert und die dann weitgehende Deutschfeindlichkeit verhinderte weitere Vorstellungen.

Besitztum und Akten des Chores wurden bei Freunden und Helfern versteckt. Wie so oft unter solchen Umständen gingen einige unersätzliche  Akten verloren oder wurden vernichtet, Allerdings blieb der Adelaider Liedertafel das wichtigste Besitztum erhalten - die Fahne von 1858. Sie wurde nach vielen Jahren in einem Versteck gefunden und wieder in den alten Zustand hergerichtet.

 Nach diesen schwierigen Jahren wurde die Adelaider Liedertafel  von den wenigen übriggebbliebenen Chormitgliedern unter dem Dirigenten Hermann Homburg (sein Sohn Robert ist z.Z. (2002) der Dirigent der Tanunda Liedertafel) wiederbelebt. Er wurde unterstützt von Hermann Metz, Emil Metz, Albert Behrndt, Jack Schwartz, H. Behrndt und anderen. Die Liedertafel hatte Schwierigkeiten das Deutsche Lied zu fördern, die Deutsche Kultur  zu erhalten. und das allgemeine Image der Deutschen zu verbessern. Langsam stieg die Mitgliederzahl wieder auf 36. Der Chor übte jeden Dienstag Abend in der Halle der St Stephen’s Lutheran Kirche in Adelaide unter dem Dirigenten F. Ochernal. 

Wegen des unermesslichen Beitrages von Carl Linger zur musikalischen Kultur in Adelaide wurde ihm 1936 (100 Jahre Südaustralien) mit Hilfe von öffentlichen Geldern als ein Zeichen des Respekts und der Dankbarkeit für den grossen Musiker ein Grabmal gebaut. Bei der feierlichen Zeremonie sangen die Adelaider Liedertafel gemeinsam mit der Tanunda Liedertafel unter dem sehr wohl bekannten Dirigenten Fritz Homburg.

 Das folgende ist ein Auszug aus der SAADV Webseite: “Eine kurze Geschichte des “Südaustralischen Allgemeinen Deutschen Vereins” von Ian Harmstorf. Der volle Text kann hier gefunden werden. Der Artikel bezieht sich auf die Behandlung während der Welt Kriege gegenüber den Deutschstämmigen von denen die Meisten treue Australier waren.

 Deutsch wurde in Adelaide in den Schulen nicht mehr gelehrt und wenn die Deutsche Sprache und Gewohnheiten zu Hause weitergeführt, entdeckt wurden dann trat man der jeweiligen Familie mit grossem Mistrauen entgegen. Die Kinder wurden in der Schule in diesen traurigen Zeiten gehänselt und benachteiligt. Viele Leute deutscher Abstammung mussten in der Zeit zwischen 1914-1918 ihre Namen dem “Angelsächsischen” anpassen,  wobei es oft bei der Übersetzung blieb, aber auch zu totalen dem Englischen angepassten Namensänderungen führte. Einige Evangelische fanden das Leben einfacher und sicherer unter den Methodisten oder Church of England als unter den Lutheran. Dieses Mistrauen allem Deutschen gegenüber wurde noch für einige Jahre  nach den Kriegen fortgesetzt. In diesen politisch  weniger kultivierten Zeiten wurde der Unterschied zwischen kultureller und politischer Loyalität nur selten richtig verstanden. Es war üblich  jemanden der die Deutsche Kultur und Traditionen pflegte, mit politischen Sympathisanten gleichzustellen. Zusätzlich gab es noch Gruppen unter der südaustralischen Bevölkerung,  die “die Deutschen” als Bedrohung der “Britischen Lebensart” sahen und auch teilweise befürchteten, das die Deutschen  einen “Deutschen Staat  innerhalb des Südaustralischen Staates” errichten wollten. Der moralisch mutige und starke  Charakter der Männer und Frauen die sich unter diesen Umständen öffentlich zu ihrem Deutschen Erbe bekannten kann nicht genug gepriesen werden und verdient den grössten Respect.

Kurze Zeit nach dem zweiten Weltkrieg machte sich Hermann Homburg trotz seines hohen Alters   erneut daran die Adelaider Liedertafel wiederzubeleben. Acht Mitglieder trafen sich 1945 in seiner Wohnung um ihre geliebten Deutschen Lieder zu singen und den Kern der Nachkriegs-Liedertafel zu formen. Diese Leute waren J.Schwartz, H.Behrndt, H.Rothe, H.Scroeder, G.Koops, H. Bülau (bis 1947), H.Menz und H. Homburg. E. Molkenthien kam in 1949/50 wieder. Die Gruppe wurde von E.Metz dirigiert.

1968 wurden die Statuten  des Chores überholt und es wurde beschlossen das Gründungsjahr 1858 dem Chornamen anzuschliessen. Seitdem nennt sich der Chor “Adelaider Liedertafel 1858” 1968 wurde das 110. Jubiläum der Adelaider Liedertafel 1858 mit einem Konzert in der Union Hall der Adelaider Universität gefeiert. Es wurde ein grosser Erfolg für den Deutschen Gesang. Dabei waren auch die Liedertafel Arion aus Melbourne, der Deutsche Volksliederchor aus Adelaide, die Tanunda Liedertafel und der Adelaide Glee Club.

 In 1970 reiste die Adelaider Liedertafel 1858 wieder nach Melbourne zum 110.Jubiläum der Liedertafel Arion. Diese Zusammenkunft wurde später zum ersten “Deutschen Sängerfest” in Australien erklärt. Auf diesem Konzert am 2. Mai wurde die Adelaider Liedertafel 1858 von Peter van der Linden dirigiert vor einem begeisterten Publikum.

1974 trafen sich fünf Chöre im neuen Festival Theatre in Adelaide zum 20. Jubiläum des Deutschen Volksliederchores.

Neun Chöre aus verschiedenen Staaten wie Queensland und West-Australien nahmen teil an diesem unvergessenen Deutschen Konzert. Der Massenchor mit 400 Sängern, Frauen und Männer eröffnete das Konzert mit der National Hymne von Australien und Deutschland unter dem Dirigenten Johannes Roose, gefolgt von Darbietungen der verschiedene Chöre und der SA Police Band. Nachdem der grosse Applaus verklungen war, erfuhren die Mitglieder der Adelaider Liedertafel 1858 einen stolzen Moment als der Deutsche Konsul, Herr Dr. F. Kroneck die “Zelter Plaquedem Chor wegen besondere Verdienste um den Deutschen Gesang übergab. Der Präsident der Adelaider Liedertafel 1858, Herr Norbert Petersen bedankte sich im Auftrag aller Chormitglieder bei der Deutschen Regierung für diese besondere Ehrung.

 Nach dem Konzert wurde mit einem Abendessen und einem Ball in den Klubräumen des SAADV, wo die Adelaider Liedertafel 1858 zuhause ist weitergefeiert. Sonntags ging es dann weiter (mit acht Bussen ) durch das Barossa Valley unterbrochen von einem grossen Picknick und einem “BBQ” Grill-feast im Gelände der schönen Yaldara Winery. Es war ein unvergesslicher Abschluss zu einem unvergesslichen Sängerfest.

In 1979 feierte der Deutsche Volksliederchor am 17. Juni sein 25zigstes Bestehen mit einem Konzert im Festival Theatre. Sechs Chöre ( mit dabei die Adelaider Liedertafel 1858) vier davon von anderen australischen Staaten. Am folgenden Tag trafen sich die Chorleiter und beschlossen eine Deutsch Australien Sänger Vereinigung die “Australian German Singers Association” zu gründen wie von Günter Petersen 

 

 

 

 

 

 

 

vorgeschlagen. Nach einiger Zeit schloss sich die German Singers Association an.  

Das fünfte Sängerfest wurde zusammen mit dem 120. Jubiläum der Liedertafel Arion am 1. Mai 1980 gefeiert. Zehn Chöre trafen aus diesem Anlass in Melbourne ein, auch die Adelaider Liedertafel 1858.

Ich bitte den interessierten Leser dieser Seiten um Mithilfe an dem Weiterbestehen des Deutschen Gesanges in Adelaide der soviel erfolgreiche Geschichte gemacht hat. Sollten Sie ein Mann sein der einen “TON” halten kann, dann schliessen Sie sich doch bitte dem Chor an. Falls Sie nicht singen wollen, dann kommen Sie doch bitte zu unseren Konzerten.

Grüss Gott, mit hellem Klang
Heil deutschem Wort und Sang!

Bill van de Water
Tenor 2, Alt1858
Webmaster
Translation by Renate Petersen (Thank You Renate!)

This page was last updated Monday, 28 May 2012
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